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Juni 1998
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Welcome to Sarajevo
Regie: Michael Winterbottom
mit Stephen Dillane, Marisa Tomei,
Woody Harrelson u.a.
GB 1997, 102 Min.
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Michael Winterbottoms Film führt in die
von den bosnischen Serben belagerte Stadt Sarajevo im Jahr 1992, aus der ausländische
Fernsehteams von den Kampfhandlungen berichten. Einer von ihnen ist der britische
Journalist Michael Henderson, der täglich mit dem Kameramann Greg, seiner Produzentin
Juni und ihrem einheimischen Fahrer Risto durch die Stadt jagt, auf der Suche nach
»starken« Bildern. Genauso wie der amerikanische Starreporter Flynn, der auch schon
einmal sein Leben riskiert, um spektakuläres Bildmaterial einzufangen. Mit von der Partie
ist auch die freie Journalistin Annie, die zum ersten Mal aus einem Kriegsgebiet
berichtet. Sie ist entsetzt von der Kaltschnäuzigkeit ihrer Kollegen, die ihre
journalistische Verantwortung immer wieder ihrer Eitelkeit opfern.
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Bei einer Reportage über ein
Waisenhaus, dessen Kinder wegen der Kämpfe nicht evakuiert werden können, lernt
Henderson die zehnjährige Emira kennen und verspricht ihr, sie aus Sarajevo
herauszuholen. Als die junge amerikanische Sozialarbeiterin Nina für eine
Hilfsorganisation die Evakuierung der Waisenkinder plant, fragt sie Henderson, ob er den
Konvoi begleiten möchte. So hat er seine Exklusivstory und sie internationale Publicity.
Henderson geht das Risiko ein, Emira, die nicht unter den ausgesuchten Kinder ist, aus dem
Land zu schmuggeln.
Mit auf Cinemascope aufgeblasenen Videobildern von den Olympischen Winterspiele 1984, als
Sarajevo noch eine friedliche, multikulturelle Stadt war, stimmt Winterbottom den
Zuschauer ein, um dann gleich in die »Realität« zu springen: die Bombardierung der
Stadt, verstümmelte Zivilisten, Heckenschützen, die Frauen und Kinder im Visier haben
und ihr blutiges Handwerk wie einen Sport betreiben.
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Die
verwackelten, unscharfen Aufnahmen »bezeugen« ihre Echtheit, und doch zweifelt man
manchmal, wenn die Videoaufnahmen in die glasklaren Bilder des Cinemascope-Formats
wechseln, ob man einer Täuschung aufgesessen ist. Denn Winterbottom spielt
bewusst mit
dem Filmmaterial, um die Grenzen zwischen Wirklichkeit und inszenierter Medienrealität zu
verwischen. Und wenn er dann mit der Steadycam-Kamera durch die Schützengräben wuselt
und man als Zuschauer instinktiv die Köpfe einzieht, dann ist es schon gleichgültig, ob
man mit ihm durch eine Filmkulisse hetzt oder sich im Gefolge eines echten
Frontberichterstatters befindet. Mit einem einfachen, aber wirkungsvollen Trick nimmt
Winterbottoms Inszenierung dem Betrachter die Möglichkeit der totalen Identifikation mit
den Protagonisten: Indem er sie mehr als Funktionsträger zeigt und ihre Charaktere nur
ansatzweise entwickelt, sieht man weder Stars noch Helden in ihnen. So wirken selbst
Hollywood-Größen wie Woody Harrelson und Marisa Tomei wie »unbekannte« Schauspieler,
weil man sich ganz auf das Thema des Films konzentriert: auf einen unsinnigen, jeder
menschlichen Vernunft spottenden Krieg. Dabei wird der Schrecken auch nicht übermäßig
dramatisiert, die Erschießung einer Gruppe Männer und das Herausholen von Kindern mit
serbischen Namen aus dem Konvoi durch marodierende Tschetniks ereignet sich genauso
unspektakulär wie das tödliche Sterben auf den Straßen, sei es beim Markteinkauf oder
auf dem Weg zur Kirche. Wie in Wirklichkeit bleiben die hinterhältigen Mörder auch in
Winterbottoms Films ohne Gesicht, wird der Krieg zu einem überdimensionalen
(Video-)Spiel, in dem jeder jeden ungestraft abschießen kann und in dem die Anonymität
des Tötens erst gar keine moralischen Skrupel aufkommen lässt...
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